Die Rentenlücke ist kein Marketingbegriff
Selbst der Bundeskanzler hat 2026 öffentlich klargestellt, was Rentenforscher seit Jahren sagen: Die gesetzliche Rente ist nur noch eine Basisabsicherung. Wer im Ruhestand seinen Lebensstandard halten will, kommt um private Vorsorge nicht herum, egal ob angestellt, verbeamtet oder selbstständig.
Das Standardrentenniveau liegt rechnerisch bei rund 48 % des letzten Nettos. Real, nach Inflation und Krankenversicherungsbeiträgen in der Rente, kommen viele Mandant:innen bei 35, 40 % heraus. Bei höheren Einkommen ist die prozentuale Lücke noch größer, weil die gesetzliche Rente bei der Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt ist.
Kaufkraftverlust, der unterschätzte Gegner
2 % Inflation klingen harmlos. Über 30 Jahre halbiert sich damit die Kaufkraft. Eine Rente von 2.000 € im Jahr 2025 ist im Jahr 2055 in heutiger Kaufkraft etwa 1.100 € wert. Genau deshalb rechne ich jede Vorsorgeplanung mit realer Rendite, nach Inflation, und nicht mit nominalen Hochrechnungen, die Vermittler:innen gerne präsentieren.
Eine Vorsorgestrategie, die die Inflation nicht schlägt, ist keine Vorsorge, sondern eine teure Form des Sparens. Tagesgeld, Lebensversicherungen mit garantiertem Zins und klassische Rentenversicherungen verlieren real meist Geld.
Die drei Schichten, und wie wir sie kombinieren
Schicht 1, Basisrente / Rürup: Maximale Steuerförderung in der Einzahlphase, dafür unflexibel, nicht kapitalisierbar, nicht vererbbar. Sinnvoll vor allem für Selbstständige mit hohem Steuersatz und stabilem Einkommen.
Schicht 2, Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Bringt vor allem etwas, wenn dein Arbeitgeber kräftig zuschießt (≥ 30 %) oder du in der Steuerlast deutlich oben bist. Wichtig: In der Auszahlphase fallen volle Krankenkassenbeiträge an, was viele Berater:innen unterschlagen.
Schicht 3, Private Vorsorge: ETF-Sparpläne beim Broker, Nettopolicen, klassische Sparlösungen. Flexibel, vererbbar, renditestark. In den meisten Fällen die Hauptsäule, ergänzt um eine der ersten beiden Schichten, wo Förderung oder Zuschuss es lohnen.
Die Kunst ist nicht, die „richtige“ Schicht zu wählen, sondern die Kombination, die zu deinem Einkommen, deiner Steuerlast und deiner Lebensplanung passt.
Typische Denkfehler in der Altersvorsorge
- „Die Immobilie ist meine Altersvorsorge.“ Eine selbst genutzte Immobilie spart Miete, generiert aber kein laufendes Einkommen. Vermögensplanung braucht beides.
- „Die Rente wird schon reichen.“ Tut sie statistisch für die wenigsten, und besonders selten für gut verdienende Singles und Selbstständige.
- „Ich brauche eine Garantieverzinsung.“ Garantien kosten Rendite. Bei 30 Jahren Anlagehorizont kostet eine Vollgarantie oft 1,5, 2 Prozentpunkte pro Jahr, und damit die Hälfte des Endvermögens.
- „bAV ist immer gut, weil staatlich gefördert.“ In der Auszahlphase werden volle Krankenkassenbeiträge fällig. Ohne hohen Arbeitgeberzuschuss rechnet sich das oft nicht.
- „ETF ist riskant für die Rente.“ Über 30+ Jahre ist ein global gestreuter ETF historisch deutlich stabiler als die meisten klassischen Rentenversicherungen, nach Kosten.
Mein Vorgehen, erst rechnen, dann empfehlen
In jeder Vorsorgeberatung beginnt es mit der Rentenlückenberechnung. Wir schauen, wie hoch dein Anspruch heute wäre, welche Inflation realistisch ist, welche Steuerlast in der Auszahlphase entsteht und welche Sparrate die Lücke realistisch schließt. Erst danach entscheiden wir gemeinsam, ob ETF, Nettopolice, bAV, Rürup oder eine Kombination der richtige Weg ist.
Wenn ich dir eine Lösung vorschlage, bekommst du eine Hochrechnung in heutiger Kaufkraft, eine ehrliche Aufstellung aller Kosten und eine klare Begründung, keine Hochglanzbroschüre.
